Warum steigen PKV-Beiträge – und was steckt im Anpassungsschreiben?
Beitragsanpassungen folgen festen Regeln. Wer den auslösenden Faktor und die Rolle des Treuhänders kennt, liest das jährliche Schreiben mit anderen Augen.
Von Lucas Zimmermann
Fast jeder Privatversicherte kennt es: Irgendwann im Jahr kommt ein Brief, in dem der Versicherer eine Beitragsanpassung ankündigt. Viele lesen nur die neue Zahl. Dabei lohnt es sich zu verstehen, wie diese Zahl zustande kommt.
Beiträge dürfen nicht beliebig steigen
Ein privater Krankenversicherer kann die Beiträge nicht einfach erhöhen, wenn es ihm passt. Nach § 203 Abs. 2 VVG ist eine Anpassung nur möglich, wenn sich die Rechnungsgrundlagen verändert haben, vor allem die Versicherungsleistungen oder die Lebenserwartung.
Der auslösende Faktor
Der Versicherer vergleicht jedes Jahr die tatsächlichen mit den kalkulierten Leistungsausgaben. Weichen sie um mehr als einen bestimmten Schwellenwert ab, muss er neu kalkulieren. Gesetzlich liegt diese Schwelle bei 10 Prozent, viele Verträge sehen bereits 5 Prozent vor. Das erklärt, warum Beiträge oft mehrere Jahre stabil bleiben und dann spürbar springen.
Der Treuhänder
Jede Anpassung muss ein unabhängiger Treuhänder zustimmen. Er prüft die Rechnungsgrundlagen des Tarifs, nicht Deinen persönlichen Vertrag. Die Zustimmung sagt also nichts darüber aus, ob Dein Tarif für Dich noch der richtige ist.
Gesamtbeitrag und Eigenanteil
Als Angestellte oder Angestellter trägt Dein Arbeitgeber einen Teil des Beitrags, begrenzt auf einen Höchstbetrag. Steigt Dein Gesamtbeitrag, steigt Dein Eigenanteil deshalb nicht immer im gleichen Verhältnis. Im Ruhestand entfällt der Arbeitgeberzuschuss, und genau dann wird die Beitragshöhe besonders wichtig.
Was Du tun kannst
Eine Beitragsanpassung ist kein Grund für Panik, aber ein guter Anlass für eine Prüfung. Das Schreiben enthält meist auch den Hinweis auf Dein Recht zum Tarifwechsel nach § 204 VVG. Damit kannst Du innerhalb Deines Versicherers in einen anderen Tarif wechseln, ohne Deine Alterungsrückstellungen zu verlieren. Ob sich das lohnt, hängt von den Leistungen ab, die Du dafür aufgeben würdest.